Der Stamm Soufi aus Amlasch Gilan Iran

Der Stamm Soufi aus Amlasch Gilan IranSalon im Haus Soufi in Amlash

Der Stamm Soufi Amlasch

 Dies ist eine erste Kurzfassung der Geschichte des Stammes Soufi Amlasch, zusammengestellt aus verschiedenen Quellen in persischer Sprache.

Wer zusätzliche Informationen zur Geschichte des Stammes Soufi Amlasch hat, sende uns bitte eine e-Mail unter mousou@gmx.de, damit wir die Geschichte ergänzen können.

Die Geschichte des Stammes Soufi aus Gilan

Bekannt ist die Geschichte des Stammes Soufi aus Gilan bisher seit ca. 500 Jahren. Zur Zeit besteht der Stamm aus ca. 5000 Personen, die über die ganze Welt verteilt leben. Das Zentrum des Stammes ist die Stadt Amlasch in Gilan, Provinz in Nordiran am Kaspischen Meer.

Besonderes Merkmal des Stammes Soufi war ursprünglich die schwarze Kleidung  „siapush – schwarz gekleidet“. Daraus entstand der Name Soufi Siavash. Die Stämme Reschvand, Siamansuri und Siavash bilden gemeinsam den Ursprung des Stammes Soufi aus Amlash.

Der Stamm Soufi in der Zeit der Safawiden

Der erste bekannte Stammesführer im 16. Jahrhundert hieß Sultan Nematollah Soufi. Sein Sohn Khalil Khan, Führer des Stammes Soufi Siamansuri, war ab 1553 Emir (Befehlshaber) unter Schah Tamasp dem Ersten.

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Khalil Khan Siamansuri

In seiner Chronik zur kurdischen Historie, dem „Sharaf Nameh“, zählt Sharaf Khan, Stammesführer des kurdischen Stammes der Bitlissi, den Stamm Siamansur  zu den größten und mächtigsten kurdischen Stämmen im persischen Reich der Safawiden.

Er berichtet, Schah Tahmasp I. habe einen der Prinzen aus dem Stamm Siamansur an seinem Hof erzogen und Khalil Khan genannt. Die safawidischen Herrscher verliehen nicht nur Titel oder Gebiete als Lehen. Es war eine besondere Ehre, wenn der König einen Nachkommen des Stammes an seinem Hof erzog und einer Person einen besonderen Namen gab. Auf  diese Weise konnte der Schah sich auch die  Loyalität der Stammesführer sichern.

Khalil Khan Siamansuri, Sohn von Sultan Nematollah,  wurde von Schah Tahmasp  I. als Heeresführer mit den Insignien Schwert, Standarte und Trommel ausgestattet. Er herrschte  als Emir über die Gebiete um Qasvin und Tabriz. Ihm unterstanden weitere 24 kurdische Emire. Sein Herrschaftsgebiet  umfasste ebenfalls Gebiete um Sulemanieh, Sandjan, usw.   und  weitere Regionen zwischen Aserbeidschan und Arak, Iran.

Schah Tahmasp I. befahl Khalil Khan mit 3000 seiner Kämpfer das große Gebiet zwischen Quasvin und Tabriz zu sichern, das wiederholt von den Turkomanen bedroht  und besetzt war. Da Khalil Khan die Eroberung des Gebiets durch die Turkomanen nicht verhindern konnte, schickte Schah Tahmasp Khalil Khan mit einem Teil seines Stammes an die Ostgrenze des persischen Reiches, nach Khorassan, um dort die Herrschaft der Safawiden zu sichern.

Noch heute findet man in Khorassan, Iran, den Ort Tscheschme Siamansuri, „Siamansuri-Quelle“  der in der Safawidenzeit Sammlungsort und „Viehtränke“ des Stammes  Siamansur war. Nachkommen des kurdischen Stammes der Reshvand, ebenfalls Vorfahren der Bevölkerung von Amlasch Gilan,  bilden noch heute eine kurdische Enklave in Khorassan.

Khalil Khan Siamansuri als Heerführer in der Schlacht um Herat

Schah Tahmasp I., der als Kind von seinem Vater Schah Ismail I als Gouverneur von Herat (im heutigen Afghanistan) eingesetzt worden war, hatte sich zum Ziel gesetzt, das persische Reich wieder in den alten Grenzen (vom heutigen Syrien bis Pakistan) zu errichten. Sein Erzieher und Mentor war Div. Soltan Hassan Beg Rumlu, ebenfalls ein kurdischer Clan-Chef, Militäroffizier und später Hofbeamter, Schreiber und Sekretär am Hof von Schah Tahmasp I..

In der Regierungszeit von Schah Tahmasp I. gab es insgesamt fünf Überfälle der Usbeken und anderer Stämmer an der Ostgrenze des safawidischen Reiches, sodass es wiederholt zu  Schlachten in diesem Gebiet kam. Hassan Beg Rumlu berichtet in seiner Chronik  „Ahsan Al Tavarikh“ über die Schlacht um Herat in den Jahren 1550 -1553 u.Z. (928 bis 930).  Unter der Führung der kurdischen Stammesführer Shah Mansur Siamansuri, Khalil Beg Siamansuri und Imam Ali Sultan Tschegini zogen die Kämpfer der kurdischen Stämme Siamansuri und Tschegini gegen Ghasa Khan. Dieser war Befehlshaber von Herat im Osten des Landes. Ghasa Khan hatte  zum Unmut der dortigen Bevölkerung 2000 Mann aus Indien in Militär und Regierung eingesetzt und widersetzte sich den Anordnungen von Schah Tahmasp I..

In einer  ersten Schlacht konnte Ghasa Khan die Kämpfer der Siamansuri und Tschegini besiegen, weil er „Asslahe garm“, „warme Waffen“ oder „Feuerwaffen“, also Gewehre besaß. Durch Intrigen und Verrat in seiner eigenen Familie und an seinem Hof in Herat wurde Ghasa Khan geschwächt.

Unter der Führung von Khalil Sultan Siamansuri und Wali Khan Shamlu, Führer eines weiteren  bedeutenden kurdischen Stammes wurde Ghasa Khan mit seinen Truppen zurückgeschlagen.  Er zog sich vor der drohenden Niederlage in die Festung Echtiar zurück und starb dort während der  Belagerung. Gemäß dem Bericht von Hassan Beg Rumlu stopften die Sieger seinen Schädel mit Stroh aus und sandten ihn an Schah Tahmasp I. als Beweis, wie zur damaligen Zeit üblich im Umgang mit Besiegten.

Über den Stamm Siamansur

Der Stamm  konnte in der Safawidenzeit seine größte Macht entfalten. In den Chroniken  werden mehrere Emire aus dem Stamm  Siamansur genannt:

Khalil Khan als Herrscher in Nahas und Surlagh;
Imam Qoli  Siamansur  Herrscher von Esfarain, Nord Khorassan;
Reza Qoli Khan, Herrscher in Bast, im heutigen Afghanistan und  in Kandahar  und
Dolat Yar Khan,  als Herrscher von Aserbeidschan, Grus, Sistan und anderen Gebieten in Nordwest-Iran. –

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Dolat Yar Khan Siamansuri

Gemäß der Chronik des Sharaf Khan Bitlissi wurde Dolat Yar Khan, Enkel  von Khalil Khan Siamansuri auf Befehl von Schah Sultan Mohammad Chodabande (Safawiden- König  von 1577-1587 u.Z.) im Herrschaftsgebiet von  Khalil Khan Siamansuri als nachfolgender Emir eingesetzt. In dieser Zeit hatten die Osmanen die Herrschaft über Aserbeidjan von den Safawiden zurückerobert. Dolat Yar Khan sollte Aserbeidjan und andere westliche Gebiete des heutigen Irans für den persischen, safawidischen Schah Mohammad Chodabande zurückgewinnen und sichern. Er machte das Gebiet um Kereshb zu seinem Machtzentrum und baute dort eine Festung.

Nachdem  er seine dortige Macht gefestigt hatte, dehnte er sein eigenes Herrschaftsgebiet  weiter aus und handelte eigenmächtig, auch gegen die Befehle des Safawiden Schahs Mohammad Chodabande. Dies wollte der Schah nicht hinnehmen und rüstete zum Kampf gegen Dolat-Yar Khan.

Als Dolat Yar Khan erfuhr, dass Schah Mohammad Chodabande gegen ihn in den Kampf ziehen wollte, errichtete er eine weitere größere Festung bei Akurant Shebastan. Schah Mohammad Chodabande befahl einem Stammesführer des kurdischen Stammes Shamlu  gegen Dolat Yar Khan zu kämpfen. In diesem Kampf blieb Dolat Yar Khan Sieger. Die Überlebenden der Shamlu zogen sich zu Ahmad Khan, dem damaligen Herrscher von Gilan, zurück.

Dolat Yar Khan versuchte danach weitere Gebiete in Nordwest-Persien unter seine Herrschaft zu bringen. Shah Abbas I, genannt der Große (König 1587-1629), Nachfolger von Shah Mohammad Chodabande auf dem Safawiden Thron, befahl  den Kämpfern des kurdischen Stammes Shamlu erneut gegen Dolat Yar Khan in den Krieg zu ziehen. Dolat Yar Khan wurde dieses Mal in seiner Festung eingeschlossen. Daraufhin ergab er sich und bat Schah Abbas zum Wohle seiner Leute um Vergebung. Schah Abas verzieh  ihm nicht und  ließ Dolat Yar mit 300 seiner Anhänger hinrichten.

Kurdische Stämme als Bollwerk der Persischen Könige

Die Taktik der safawidischen Herrscher im Iran, die kurdischen Stämme aufgrund ihrer hohen Kampfkraft für ihre Eroberungen und zur Abwehr von Überfällen von außen einzusetzen, war nicht neu. Schon Ibn Amid Wesir Al Buje erklärte, man müsse die Kurden als Bollwerk gegen Feinde von außen benützen. Der Stamm Ale Buje herrschte im 10. Jahrhundert über weite Teile Persiens.

Abul Hassan Vaezi Tonekaboni schreibt dazu auf arqir.com, dass Schah Abass zu Beginn seiner Regentschaft zunächst versucht habe, die Kurden mit Versprechungen zur Umsiedlung nach Chorassan zu locken. Für ein geeintes persisches Reich unter seiner Herrschaft wollte er seine Vorherrschaft in Gilan und Mazendaran durchsetzen. Beide Gebiete wurden in dieser Zeit  von starken Stammesfürsten regiert, die sich nicht bedingungslos den Safawiden unterordnen wollten.  Schah Abass wollte Gilan  mit seinen Kämpfern sowohl im Westiran als auch im Osten von Chorassan aus „in die Zange“ nehmen. Zunächst zogen die Kurden bis Schahr Ray und Teheran, um das persische Gebiet gegen die Überfälle der Uzbeken aus dem Osten  zu verteidigen.

Nach der Niederlage und Hinrichtung  von Dolat Yar Chan wurde der Stamm auf Befehl von Schah Abbass dem Großen erneut geteilt. Ein Teil des Stammes Siamansuri wurde  – wie von Sharaf Khan Bitlissi beschrieben –  nach Gilan umgesiedelt, nach Ranekuh mit Hauptsitz Amslasch, dem Stammsitz der heutigen Familie Soufi. Das Herrschaftsgebiet der Siamansuri reichte bis in die Bergregion des heutigen  Soman und Tonekabon.

  • Die Bevölkerung Amlaschs und damit der Stamm der Soufis besteht also aus Nachkommen von Kurden und Gilanern.

Die Soufis dehnten ihr Herrschaftsgebiet bis Deiliman im Südosten Gilans aus, um Rebellen-Angriffe aus den östlichen Ebenen abwehren zu können.

Ein anderer Teil des Stammes wurde an die Ostgrenze des neuerstarkten persischen Reiches umgesiedelt, nach Chorassan und dem heutigen Afghanistan, ebenso der große kurdische Stamm der Reshvand.

Zentralmacht des Schahs gegenüber Clanchefs und Großgrundbesitzer –
ein Kampf um die Macht in Iran bis in die Neuzeit

Sobald die safawidischen Könige ihre Macht durch mächtige Stammesführer bedroht sahen, bekämpften sie die Stämme. Um seine Zentralmacht zu festigen, ging  Schah Abbas sogar soweit,  mächtige (Nomaden)-Stämme durch eine Politik der „verbrannten Erde“ ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Er teilte  die unterlegenen Stämme, siedelte sie um und oder versklavte deren Angehörige. Damit er nicht mehr auf die kämpfenden Truppen der Stammesführer angewiesen war,  baute er sich eine eigene Armee und Leibgarde aus Mitgliedern besiegter Stämme, meist aus Georgiern und Armeniern, auf.  So konnte er die Macht der Stammesführer brechen oder schwächen.

Noch im 20. Jahrhundert wurden mächtige Großgrundbesitzer vom jeweiligen Schah gezwungen, Ländereien abzugeben, wie das Vorgehen Reza Shahs gegen Nosratollah Khan Soufi und andere Großgrundbesitzer in Gilan und Mazandaran zeigt. Die Landbesitzer waren einerseits Regenten in ihrem jeweiligen  Herrschaftsgebiet und Besitz, andererseits wurden sie von den persischen Königen immer wieder zu Zugeständnissen und Landabgaben gezwungen. Die Chane hatten mit ihren lokalen Macht die Politik des Schahs durchzusetzen, wenn es sein musste, auch mit  ihren eigenen bewaffneten Garden.

Alle örtlichen Emire und Sultane waren damals Befehlshaber in ihrem Stammesgebiet, unterstanden aber dem persischen König, dem Schah. Der persische König konnte diese einsetzen und absetzen. Tatsächlich hatten diese örtlichen Feudalherren ihren Besitz und ihren Titel ererbt und vererbten diese weiter an ihre Nachkommen. Die Feudalherren durften zu damaliger Zeit allerdings ihr Land nicht verkaufen, der König aber konnte ihnen ihren Besitz auch wieder wegnehmen.


Soufis im Kampf gegen russische Truppen in Gilan

In den Jahren 1723-1739 (1135 -45) regierte Schah Tamasp II, der Sohn von Schah Sultan Hossein. Er war ein „schwacher“ König, sodass Gilan von russischen Truppen besetzt wurde. Die Bevölkerung war gezwungen, in ständigen Kriegen das Land gegen russische Kosaken zu verteidigen. Einer der Helden dieser Kriege war Bahram Gholi Khan Soufi. Dieser Stammesführer war der Herrscher von Raneku und kämpfte an der Seite der Verteidiger von Gilan. Sie drängten die russischen Truppen bis an die Grenze von Gilan zurück. Nach Gebietsabtretungen an Russland – auch Gilan wurde letztendlich von den Russen annektiert – und weiterer Schwächung durch das osmanische (türkische) Reich mussten die Safawiden die Macht der nächsten Dynastie, den Afscharen, überlassen.

Der Stamm Soufi unter Nader Schah (Afschar) um 1750

Die Soufis hatten bis zum Ende der Safawiden große Macht und Autorität in Gilan und herrschten über den Osten Gilans, Deileman und Raneku. Nach der Machtübernahme von Nader Schah über das persische Reich wurde der Einfluss der Soufis geschwächt. Nader Schah war unzufrieden mit der Anwesenheit der Kurden und den starken Soufis in Amlasch und anderen Gebieten von Raneku. Um die Macht der Soufis zu untergraben, wurden neue Kurden aus der Gegend von Kermanschah und Grus in Kelardascht und Kujur in Mazandaran, der heutigen Nachbarprovinz von Gilan,  angesiedelt. Auch als Agha Mohammad Khan Khadschar, der erste Khadscharen Fürst, an die Macht kam, siedelte er erneut weitere Gruppen von Kurden, diesmal aus Khajevand, nach Gilan um.

Scheich Bahaedin Amlaschi schreibt in seinem Buch“ Aspekte der Geschichte Gilans“: „In der Vergangenheit war der Stamm der Soufis mehr als 400 Jahre die politisch und ökonomisch dominierende Macht.“ (Anmerkung: in Gilan) Er beschreibt die Soufis aus Amlasch mit Ausnahme einiger weniger selbstherrlicher Despoten als meist mächtige und gerechte Stammesführer, die religiös gebildet waren. Während ihrer Herrschaft herrschte Stabilität und Sicherheit. Sie leisteten der Bevölkerung laut Scheich Bahaedin Amlaschi  hervorragende Dienste.

Bewegung für eine konstitutionelle Monarchie zu Beginn des 20. Jahrhunderts

In der Bewegung zur Errichtung einer konstitutionellen Monarchie spielte der Stamm der Soufis in Teheran, der Hauptstadt Irans, eine wichtige Rolle.

Politische Unterstützung erhielt die Bewegung von dem Stammesmitglied Scheich Baha-alDin Amlaschi (Ayatollah Mirza Amlaschi). Dieser stand an der Spitze des Justizkomitees der Islamischen Vereinigung.

Seine Söhne Scheich Mohammad, Scheich Ismail, Scheich Ashar Amlaschi Soufi machten in der Verfassungsbewegung ihren politischen und religiösen Einfluss in Teheran geltend: Sie setzten sich in der Hauptstadt auf nationaler Ebene für die konstitutionelle Monarchie ein. In ihren Reden protestierten sie gegen die autoritäre Politik von Mohammad Ali Schah, dem damaligen Khadscharenkönig.

Trotz seiner ökonomischen und militärischen Stärke unterstützte der Stamm der Soufis die Verfassungsbewegung in Gilan unter Mirza Kutschek Khan nur mit geringen Finanzmitteln. Mirza Kutschek Khan, ein bekannter Führer dieser Bewegung in Gilan, kämpfte mit seinen Männern bewaffnet und führte in den Wäldern Gilans Terroranschläge gegen russische Kosaken durch.

Die Verfassungsbewegung in Iran und in Gilan scheiterte letztendlich. Reza Khan Pahlawi nutzte die Schwäche der Khadscharen, putschte sich an die Macht und erklärte sich zum König von Iran. Damit beendete er die Khadscharen-Dynastie. Von seinem anfänglichen Bekenntnis zur konstitutionellen Monarchie rückte er später ab.

Zu dieser Zeit war Nosratollah Khan der Führer des Stammes in Amlasch und Gilan.

Haj Mirza Yaya Khan
Vater von                                             Nosratollah Chan

Nosratollah Chan und die Pahlawi-Dynastie: Enteignung und Inhaftierung

Einige Zeit nach seiner Krönung zum König im Jahr 1925 übte Reza Khan auf die Soufis in Amlasch und andere Großgrundbesitzer massivem Druck aus, um sich ihren Besitz anzueignen. Amanollah Khan, Sohn von Nosratollah Khan,  schreibt dazu, dass Reza Shah den Grundbesitz seiner Frau, seines Vaters Nosratollah Khan und seiner Mutter Omahani Khanum  unter dem Deckmantel des „Kaufs“ beschlagnahmte. Die Eigentümer wurden nur mit einer geringen Zahlung, die unter der Ertragssumme eines Jahres lag, abgespeist. Landeigentümer, die die Abtretung nicht unterschreiben wollten, wurden solange im Grundbuchamt festgesetzt, bis sie zur Unterschrift bereit waren. Nach der Verbannung Reza Schahs im Jahr 1941 durch die Briten wurde das Eigentum der Pahlawis der Regierung Irans, dem Ministerium für Landwirtschaft unterstellt. Auf Druck der Großgrundbesitzer  wurde im Parlament ein Gesetz über die Rückgabe des Eigentums verabschiedet. Die Grundbesitzer erhielten ihre Länderein zurück. Im Gegenzug wurden sie dazu verpflichtet, die Zahlungen Reza Schahs zurückzuerstatten.

1941, im zweiten Weltkrieg, erklärten die Alliierten Iran zu ihrer wichtigen Nachschublinie im Kampf gegen Hitlerdeutschland. Großbritannien und die Sowjetunion besetzten den Iran und verbannten Reza Shah nach Mauritius. Sie setzten seinen Sohn Mohammad Reza Pawlewi als Shah ein, der mit der Revolution im Jahr 1979 aus dem Iran vertrieben wurde.

300 führende Persönlichkeiten aus Tehran und ganz Iran wurden im Jahr 1941 unter dem Vorwand der Zusammenarbeit mit den Deutschen festgenommen. Auch Nosratollah Khan Soufi, das Oberhaupt des Stammes der Soufis Amlasch  wurde 8 Monate in Arak von den Briten inhaftiert u.a. unter dem Vorwand, dass er mit deutscher Unterstützung einen Flugplatz in Gilan errichten wollte* (siehe weitere Erläuterung dazu im Blog zu deutsch iranischen Beziehungen). Danach wurde er mit 11 anderen führenden Politikern wie Abdol Ghasem, Dr. Matin Daftari, General Agholi, Brigadegeneral Kupal, Brigadegeneral Ansari und Oberst Ansari den Russen unterstellt und 9 Monate in der Provinzhauptstadt Rascht  gefangen gehalten.

(Das Haus der Familie Soufi in Amlasch  wurde in der Zeit der Khadscharen Könige gebaut. Die Innenarchitektur mit aufwendig gestalteten Stuckornamenten und Buntglasfenstern entspricht dem damaligen Stil der Khadscharen-Dynastie. Es hat 450 qm Grundfläche und war ursprünglich von einem 7000qm großen Park mit Zier- und Obstbäumen umgeben. Vor dem Haus befindet sich das übliche  Wasserbecken zur Erfrischung und Verbesserung des Klimas.)

Weitere Bilder des Hauses finden Sie hier.

In seiner Zeit als Grundherr in Amlasch hatte Nosratollah Khan großen politischen Einfluss in Gilan, bei Gericht und den Behörden. Gemeinsam mit den Agenten der Pahlawi Dynastie spielte er eine führende Rolle bei der Unterdrückung der Tudeh-Partei (sozialistischen Volkspartei des Iran), die in Gilan, insbesondere in Langerood, sehr stark war.

Nosratollah Chan
Nosratollah Chan

Manche beschrieben ihn als arroganten und herrschsüchtigen Menschen. Andere sagen, dass er eine starke Persönlichkeit und ein hilfsbereiter Herrscher war und viele Bittsteller in ihren Anliegen unterstützte. Er habe  für die Menschen in seinem Herrschaftsbereich stets das in seiner Macht stehende Mögliche getan.

In den unruhigen Zeiten des 2. Weltkriegs habe er für Stabilität in Ranekuh und Amlasch gesorgt. Er richtete die erste moderne Schule in Amlasch, Soufie genannt, ein. Des weiteren haben die Soufis zur Bildung der Wirtschaftshochschule in Rascht, Universität Gilan, zum Aufbau der öffentlichen Bibliothek in Rascht (Kulturzentrum Gilan) sowie den Krankenhäusern Madayen Tehran und Pursina Rascht einen großen Beitrag geleistet.

Nosratollah Khan heiratete mehr als vierzig Frauen. Aus den Ehen mit zehn dieser Frauen stammen 29 Kinder. Im Stammbaum der Familie sind nur diese zehn Frauen von Nosratollah Khan und die gemeinsamen Kinder mit ihren Familien aufgeführt.

Der älteste Sohn von Nosratollah Chan war Ahmad Ali Chan. Sowohl Ahmad Ali Khan als auch Amanollah Khan, das vierte Kind von Nosratollah Khan,  verfassten Gedichte. Im Jahr 2012 veröffentlichte Asisollah Khan (Pascha)  einen Gedichtband seines Onkel Amanollah Khan in persischer Sprache.

Amanollah Khan diente beim Militär und studierte Pharmazie.

Amanollah Chan Soufi
Amanollah Chan Soufi im Kreise einiger seiner Brüder, von rechts nach links: Fereidun Chan, Rahmatollah Chan, Amanollah Chan, Hossein Chan, links außen: Agha Hassan Amlashi, Agha Rahim Akhawan

Während der  Gefangenschaft seines Vaters übernahm Amanollah Khan die Aufgaben seines Vaters als Oberhaupt der Familie und Großgrundbesitzer und führte diese nach dessen Tod weiter. Die Führung des Stammes Soufi wurde ihm von seinem Onkel, dem Bruder Nosratollahs, Mohammad Taghi Khan und dessen Söhnen streitig gemacht. Daraus entstanden lange Auseinandersetzungen, die zur Schwächung des politischen und ökonomischen Einflusses der Familie Soufi Siavash führten.

Der Stamm  Soufi heute

Zahlreiche Familienmitglieder leben derzeit sowohl im Iran als auch außerhalb. Ein großer Teil der Kinder, Enkel und Urenkel von Nosratollah Khan lebt über die ganze Welt verstreut, insbesondere in USA, Deutschland, Österreich, Frankreich. Darunter sind viele Ärzte wie Dr. H. Sufi, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Ph.D. Ehsan S. Soofi, Pofessor für Statistic und Ph.D. Abdolah Soofi, Professor für Wirtschaft, Ingenieure und andere Berufe mit hohem Bildungsstand sowie als erfolgreiche Geschäftsleute.

Frauen der Familie mit Einfluss und Bedeutung

Auch die Frauen der Familie erreichten führenden Einfluss. als Beispiel:

Parvaneh Khanum Soufi war die erste Frau in Amlasch, die studierte. Als Frauenärztin und Hebamme war sie die treibende Kraft zum Aufbau einer modernen Geburtshilfe in Lahidjan. In ihrer 50jährigen Berufstätigkeit als Ärztin und Geburtshelferin half sie 21.000 Kindern, das Licht der Welt zu erblicken.

Parvaneh Chanum                    Ghodsie Chanum

Ghodsi Khanum Soufi war die erste weibliche Gouverneurin (Landrätin)  in Iran, in der Stadt Sohmehsarah.

Literatur und Quellen zur Familiengeschichte des Stammes Soufi sowie Geschichte Gilans und Irans

  • Asadpour, Ahmad Ali: Der Iran in der internationalen Politik 1939 – 1948,
    Dissertation 2002
  • Axworthy, Michael: Iran Weltreich des Geistes, von Zoroaster bis heute, Büchergilde Gutenberg
  • Delkash, Iradj: Amlash, Pardise Iran; Amlash, Paradise of Iran, boloor publications
  • Encyclopedia Iranica, Columbo University, div. Artikel
  • Fumani, Abdu´l I-Fattah  Tarikhe Guilan – Geschichte Gilans
    hrsg. Von B.Dorn in: Muhammedanische Quellen zur Geschichte der südlichen Küstenländer des Kaspischen Meeres, Teil III, St. Petersburg, 1858
  • Glassen, Erika: Die frühen Safawiden nach Qasi Ahmad Qumi, Freiburg 1968
  • Izady, Mehrdad R.: The Kurds – A concise Handbook
  • Kaempfer, Engelbert: Am Hofe des persischen Großkönigs 1684-1685
    Hrsg. Walther Hinz, Horst Erdmann Verlag, 1977
  • Meier-Lemgo, Karl : Engelbert Kaempfer, der erste deutsche Forschungsreisende 1651-1716
    Strecker und Schröder Verlag Stuttgart 1937
  • Meier-Lemgo Karl : Die Reisetagebücher Engelbert Kaempfers
    Franz Steiner Verlag GmbH Wiesbaden 1968
  • Olearius, Adam: Moskowitische und persische Reise: Die holsteinische Gesandtschaft 16331639. Schleswig 1656, Repr. Stuttgart: Thienemann, 1986,
  • Pigolovskaya, Victotovna, Petrovsky et al., Übersetzung Karim Kechavarz:
    Tariche Iran; Geschichte des Iran von der Antike bis zum Ende des 18. Jahrhunderts,
    Tehran 1975
  • Prince Sharaf al-Din Bitlisi:
    The Sharafnama or the History of the Kurdish Nation 1597
  • Rabino Di Borgomale, H.L
    Les Provinces Caspiennes De La Perse et Le Guilan Illustrations
  • Rabino Di Borgomale, H. L.
    Les Dynasties Locales Du Guilan et Du Daylam
  • Rumlu, Hassan Beg: Aḥsan al-tawāriḵ,
    in Amlashi Nasrollah Purmohammad, Brumand: Erforschung der kurdischen Stämme   
  • Roemer, Hans Robert: Die Safawiden
    Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
    Ein orientalischer Bundesgenosse des Abendlandes im Türkenkampf
  • Röhrborn, Klaus Michael: Provinzen  und Zentralgewalt Persiens im 16. Und 17. Jahrhundert
    Studien zur Sprache, Geschichte und Kultur des islamischen Orients
    Walter de Gruyter Verlag & Co., Berlin 1966
  • Syed Syed Sauf Akhtar, Musaffer Hussein: Concise History of Islam
  • Soufi Siavash, Parvaneh Khanum: Kuche Maman, boloor.publications, Iran
  • Soufi Siavash, Amir Amanollah: Pir Semaneh, Gedichte;
    Herausgeber: Soufi Siavash Asisollah (Pascha)
  • Tonekaboni , Abul Hassan Vaezi on arqir.com:   Migration of the Kurds and Lors in Nordth of  Iran   —  Mohadjerat kurd we lor be schomal Iran
  • Eigene Bilder der Familie
  • Wikipedia Farsi:  Siamansur

 

 

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